Ehe: Jetzt beschreiten die Zeugen Jehovas den Klageweg gegen Heinz-Peter Tjaden

„Hier ist offensichtlich von dem Königreich unter Christus die Rede, das im Jahr 1914 im Himmel aufgerichtet wurde“, lautet eine Antwort auf die Frage „Die letzten Tage wovon?“ in der April-Ausgabe der Zeitschrift „Erwachet!“, die weltweit laut Angaben der Herausgeberin in einer Auflage von 35 754 000 Exemplaren erscheint. Herausgeberin ist die Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, die 1881 in den USA gegründet wurde und die Zeugen Jehovas mit Zeitschriften und Büchern versorgt.

Die These vom himmlischen Königreich ist an die Stelle von Prophezeiungen des Weltuntergangs mit genauer Jahresangabe getreten. Auch die Ansprüche von „Erwachet!“ sind gesunken. Im Impressum steht nicht mehr „…diese Zeitschrift (stärkt) das Vertrauen zum Schöpfer, der verheißen hat, noch zu Lebzeiten der Generation, die die Ereignisse des Jahres 1914 erlebt hat, eine neue Welt zu schaffen, in der Frieden und Sicherheit herrschen“, sondern „Diese Zeitschrift wird herausgegeben zum Nutzen von Jung und Alt. Sie zeigt, wie man die heutigen Probleme bewältigen kann.“

Das steht noch bevor

Abgesehen davon, dass die Wachtturmgesellschaft offenbar davon ausgeht, dass sich der Schöpfer nicht an jedes Versprechen hält, stellt sich dieser Buch- und Zeitschriftenverlag die endgültig Lösung der Probleme so vor: „Was steht noch aus? Unter anderem die ´große Drangsal´, einschließlich des Krieges von Harmagedon, und die Gefangensetzung Satans und seiner Dämonen, damit ihr Einfluss von der Erde verschwindet.“ (Erwachet!, April 2008, Seite 7) So habe es „Gott, der nicht lügen kann“ (a. a. O.) versichert.

Da auch die Wachtturmgesellschaft von sich behauptet, dass sie nicht lügen kann, müsste eigentlich jede Zeugin Jehovas und jeder Zeuge Jehovas stutzig werden, wenn er sich an das „Erwachet!“-Impressum aus den 70-er Jahren erinnert, denn die Generation, die bereits 1914 gelebt hat, gibt es nicht mehr. Nun soll hier aber nicht geklärt werden, ob die Wachtturmgesellschaft Gott oder sich selbst der Lüge bezichtigen müsste, sie zieht lieber vor ein irdisches Gericht, und zwar so oft wie keine andere so genannte christliche Glaubensgemeinschaft.

Jetzt bin ich dran: Mit Datum vom 3. März 2008 hat der Rechtsanwalt Armin Pikl eine Klageschrift verfasst, Klägerin sind Jehovas Zeugen in Deutschland, K. d. ö. R., Grünauerstraße 104, 12557 Berlin. Vor dem Landgericht Hamburg soll am 18. Juli 2008, 13.30 Uhr, im Sitzungsraum B335 des Ziviljustizgebäudes am Sievekingplatz 1 erst einmal ein Gütetermin und ein früher erster Verhandlungstermin stattfinden. Bei solchen Terminen wird ein Vergleich angestrebt. Einem solchen Vergleich werde ich nicht zustimmen.

Zitate aus "Ärzteblatt"

Armin Pikl beantragt „namens und mit Vollmacht der Klägerin“: „1. Der Beklagte hat es bei Vermeidung eines vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes - und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, einer Ordnungshaft, oder einer Ordnungshaft bis zu sechs Monaten - zu unterlassen, über die Klägerin die folgenden Behauptungen aufzustellen oder aufstellen zu lassen und/oder zu verbreiten oder verbreiten zu lassen, a) ´Den Ehepartnern wird von der Gemeindeleitung, den ´Ältesten´, nahe gelegt, sich zu trennen.´ b) ´Die Eheschließung mit dem vom Glauben Abgefallenen gilt als null und nichtig.´“ Diese beiden Zitate stammen übrigens aus dem „Ärzteblatt“ vom 18. Januar 2002.

In seiner Klageschrift behauptet der Rechtsanwalt, zu diesem Artikel gebe es eine Gegendarstellung, die er seiner Klageschrift zwar beigefügt hat, bei der es sich aber um eine Stellungnahme handelt, in der es fast ausschließlich um Bluttransfusionen geht. Das Thema Ehe wird lediglich in einem Satz angeschnitten: „Gemäß dem Verständnis der Zeugen Jehovas ändert sich die Beziehung der Eheleute jedoch nicht, wenn ein Partner kein Zeuge Jehovas mehr ist.“

Den Beweis dafür, dass diese Behauptung falsch ist, liefert der Rechtsanwalt der Zeugen Jehovas merkwürdiger Weise selbst, denn der Klageschrift hat er auch die Seiten 63 und 64 des „Wachtturm“ vom 15. Januar 1953 beigefügt. Beantwortet wird dort die Frage eines Lesers, die da lautet: „Wie sollten ein Vater, eine Mutter, Sohn oder Tochter, denen die Gemeinschaft entzogen wurde, von den übrigen Gliedern der Familiengemeinschaft behandelt werden?“ Die Antwort beginnt mit dem Hinweis: „Wir leben heute nicht unter theokratischen Nationen, wo solche Glieder unserer Familiengemeinschaft im Fleisch ausgerottet werden können.“ Dem stünden „die Gesetze der weltlichen Nationen, unter denen wir leben, und auch…die Gesetze Gottes durch Christus Jesus“ entgegen.

Der Einfluss des Satans

Da also auch die Zeugen Jehovas nicht alle Regeln der Zivilisation über Bord werfen dürfen, müssen Warnungen her: „Satans Einfluß durch das Familienglied, dem die Gemeinschaft entzogen ist, wird darauf gerichtet sein, das andere Glied oder die anderen, die in der Wahrheit sind, zu veranlassen, sich jenem Glied in seiner Handlungsweise oder in seiner Stellung zu Gottes Organisation anzuschließen. Das zu tun, würde sich unheilvoll auswirken…“ Schlussfolgerung: „…deshalb muß das treue Familienglied die Anordnung über den Gemeinschaftsentzug anerkennen und sich fügen.“

Fügen sollen sich die Zeugen Jehovas immer, entsprechende Anweisungen gibt es wie Sand am Meer. Beispiele: „Irreführende religiöse Propaganda - gleich woher sie stammt - sollte man meiden wie Gift.“ (Wachtturm, 1. November 1987) „Wenn wir unsere Kinder so entschieden vor dem Einfluß der Pornografie schützen würden, sollten wir dann nicht erwarten, dass unser liebevoller himmlischer Vater uns in ähnlicher Weise vor geistiger Unmoral schützt, wozu ja auch die Abtrünnigkeit zählt? Er sagt: Haltet euch von ihr fern!“ (Wachtturm, 15. März 1986)

Die Zeugen Jehovas vergleichen „Abtrünnigkeit“ aber nicht nur mit Pornografie, aus der Seite 325 des Buches „Neue Himmel und neue Erde“ spricht ein derartiger blanker Hass, dass es einem die Sprache verschlägt: „Die Abtrünnigen, welche zur Klasse des ´schlechten Sklaven´ werden, lassen ihren Namen als Fluchwort zurück und werden hinausgeworfen, um ihr Teil mit den Heuchlern zu haben, die bei Harmagedon schließlich hingerichtet werden. Ihr Tod verursacht daher keine Trauer unter Gottes Neuer-Weltgesellschaft.“

Ansonsten aber bleibt die Ehe zwischen einem ehemaligen Zeugen Jehovas und einem Zeugen Jehovas glücklich wie zuvor? Angesichts solcher Zitate soll ich einem Vergleich zustimmen?
Dagegen spricht auch dieses persönliche Erlebnis, zugetragen hat es sich an einem Abend, an dem ich vom Telefon kaum noch weggekommen bin.

Frau sitzt auf gepackten Koffern

Der Anrufer (kurz nach 18 Uhr): Ich habe gehört, dass Sie Bücher über die Zeugen Jehovas geschrieben haben. Meine Frau redet nicht mehr mit mir, sie hat ihre Koffer gepackt. Die Zeugen Jehovas haben für sie eine Wohnung gesucht.
Meine Antwort: Sie gehören nicht zu den Zeugen Jehovas?
Der Anrufer: Nein. Aber ich habe meine Frau da hingehen lassen. Jetzt wollen sie, dass sie sich von mir trennt.
Meine Antwort: Sie müssen Ihre Frau zum Sprechen bringen. Fragen Sie Ihre Frau einfach, ob die Zeugen Jehovas immer die Wahrheit sagen. Dann melden Sie sich bitte wieder.

Der Anrufer (kurz nach halb sieben): Meine Frau redet mit mir. Sie hat mich gefragt, warum ich das wissen will. Hoffentlich merkt sie nicht, dass ich mit Ihnen telefoniere.
Meine Antwort: Fragen Sie Ihre Frau einfach, ob sie die Schriften der Zeugen Jehovas aus den Jahren 1969 bis 1975 kennt.
Der Anrufer: Wieso?
Meine Antwort: Je weniger Sie wissen, umso besser ist es.

Der Anrufer (kurz nach acht): Meine Frau kennt diese Schriften nicht. Sie möchte gern wissen, was drinsteht.
Meine Antwort: Das verrate ich Ihnen nicht. Bitten Sie Ihre Frau darum, dass Sie den Ältesten der Zeugen Jehovas anruft. Er möge doch bitte Ihrer Frau alle Wachtturm- und Erwachet!-Ausgaben aus dieser Zeit aushändigen.

Der Anrufer (kurz vor neun): Meine Frau redet und redet. Aber sie will wissen, warum sie den Ältesten anrufen soll.
Meine Antwort: Bestehen Sie einfach darauf, dass sie es tut. Noch ist sie mit Ihnen verheiratet.

Der Anrufer (kurz vor zehn): Meine Frau hat den Ältesten angerufen. Der hat sie gefragt, was sie mit den Schriften will. Die will er unter keinen Umständen aushändigen. Außerdem hat er gesagt, dass sich meine Frau wohl mit einem Gegner unterhalten haben muss. Dabei hat sie doch gar keine Ahnung.
Meine Antwort: Schreiben Sie sich diesen Satz bitte auf: „Nach biblischer Chronologie enden 6000 Jahre Menschheitsgeschichte am Freitag, dem 5. September, mit Sonnenuntergang.“ Gemeint ist das Jahr 1975. An diesem Tag sollte vereinfacht gesagt, die Welt untergehen.

Der Anrufer (kurz vor elf): Meine Frau hat ihre Koffer wieder ausgepackt. Mit den Zeugen Jehovas will sie nichts mehr zu tun haben.

Ein paar Wochen später habe ich von diesem Ehepaar eine Urlaubskarte bekommen: „Wir wissen nicht, wie wir Ihnen danken sollen.“

Wie ich dem Anwalt der Zeugen Jehovas?

Siehe auch http://zeugenjehovas.blogspot.com


Über Heinz-Peter Tjaden